Bahnbrechende Studie behauptet, die Große Pyramide sei bereits vor rund 40.000 v. Chr. in der Steinzeit erbaut worden

Ein neuer Bericht des italienischen Ingenieurs Alberto Donini von der Universität Bologna wirbelt die etablierte Datierung der Großen Pyramide von Gizeh ordentlich durcheinander. Lange ging man davon aus, dass sie zur Regierungszeit des Pharaos Khufu um 2560 v. Chr. gebaut wurde. Doninis umstrittene Ergebnisse deuten nun darauf hin, dass die Pyramide deutlich älter sein könnte – möglicherweise bis zu 40.000 Jahren v. Chr..
Der gängige Konsens — und was die neue These sagt
Über ein Jahrhundert lang herrschte unter Ägyptologen weitgehend Einigkeit über das Baujahr der Pyramide. Doninis Studie stellt diesen Konsens mit der sogenannten Relative-Erosions-Methode (REM) in Frage. Diese Methode vergleicht die erosive Abnutzung geschützter und ungeschützter Flächen, um daraus Rückschlüsse auf die Expositionsdauer zu ziehen. Donini schreibt dazu: „das Volumen des desintegrierten Materials proportional zur Dauer der Exposition gegenüber erosiven Prozessen sein sollte“.
Wichtig zu sagen: Die REM liefert kein exaktes Baujahr, sondern ein Zeitintervall mit zugehörigen Wahrscheinlichkeiten. Der vorläufige Bericht wurde unter DOI 10.5281/zenodo.18315238 veröffentlicht, hat aber noch keinen Peer-Review durchlaufen und bleibt deshalb umstritten.
So wurde gemessen und das sind die Grenzen
Untersucht wurden zwölf Messpunkte an der Basis der Pyramide. Dabei verglich das Team freigelegte Flächen, die seit der Errichtung der Pyramide exponiert waren, mit Bereichen, die bis zum Erdbeben von 1303 durch Kalksteinverkleidungen geschützt geblieben sind. Historische Quellen wie Diodorus Siculus und der arabische Historiker Abd al-Latif berichten, dass diese Verkleidungsblöcke nach dem Erdbeben entfernt und von den Mamluken in Kairo wiederverwendet wurden (für andere Bauwerke).
Die REM-Ergebnisse sind auffällig: Die geschätzte Expositionsdauer reicht von 5.708 Jahren bis 54.000 Jahren, mit einem arithmetischen Mittel von 24.941 Jahren vor der Gegenwart. Das entspricht ungefähr 22.941 v. Chr. Donini rechnet vor, dass die Pyramide in einem weiten Bereich zwischen 9.000 v. Chr. und 36.000 v. Chr. erbaut worden sein könnte.
Welche Fragen sich daraus ergeben
Sollten Doninis Befunde stimmen, hätte das weitreichende Folgen für unser Bild der Vorzeit. Man müsste dann die technischen Fähigkeiten von Gesellschaften der Steinzeit neu bewerten. Auch die Rolle von Pharao Khufu als ursprünglicher Erbauer wäre dann nicht mehr so eindeutig — er könnte eher als „Reformer“ oder jemand, der vorhandene Bauwerke wiederverwendet hat, zu sehen sein.
Die Ägyptologie, die stark auf schriftliche Quellen und archäologische Funde setzt, würde durch eine solche alternative Datierung auf die Probe gestellt. Donini selbst sieht die REM nicht als Ersatz für etablierte Datierungstechniken, sondern als ergänzendes Werkzeug. „Es ist noch möglich, die Genauigkeit der Messungen zu verbessern“, so Donini.
Ausblick und was das heißt
Die Studie ist vorläufig, ihre Ergebnisse sind nicht endgültig, aber sie lädt die Fachwelt ausdrücklich ein, die Untersuchungen fortzuführen. Donini betont die Notwendigkeit weiterer Messungen, Analysen an anderen Monumenten und interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Unabhängig davon, wie die Debatte ausgeht, hat die Studie bereits eine Diskussion ausgelöst, die unsere Annahmen über antike Chronologien und menschliche Fähigkeiten infrage stellt. Sie fordert dazu auf, die Vergangenheit offener zu betrachten und für neue Erkenntnisse empfänglich zu bleiben, die unser Bild der Menschheitsgeschichte verändern könnten.