Wie die Studie aufgebaut war
Leitend war Natalia Gomes Gonçalves, unterstützt von Co-Autorinnen und -Autoren wie Euridice Martinez-Steele und Paulo A. Lotufo. Untersucht wurden 12.772 Erwachsene aus ganz Brasilien über einen Zeitraum von acht Jahren. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 52 Jahren. Kognitive Funktionen wurden mit standardisierten Tests zu Beginn, in der Mitte und am Ende der Studie geprüft.
Getestet wurden die Süßstoffe Aspartam, Saccharin, Acesulfam‑K, Erythritol, Xylitol, Sorbitol und Tagatose. Die Konsummengen reichten von durchschnittlich 20 mg/Tag in der niedrigsten Kategorie bis zu 191 mg/Tag in der höchsten Kategorie (das entspricht in etwa der Aspartam‑Menge in einer Diätlimonade).
Was die Ergebnisse sagen
Die höchste Aufnahme künstlicher Süßstoffe war mit einem 62% schnelleren kognitiven Abbau verbunden im Vergleich zur niedrigsten Aufnahme — das entspricht einer vorgezogenen Alterung von etwa 1,6 Jahren. In der mittleren Aufnahmegruppe lag der schnellere Abbau bei 35%, was einer Alterung von ungefähr 1,3 Jahren entspricht.
Deutlichere Zusammenhänge zeigten sich bei Teilnehmenden unter 60 Jahren und bei Personen mit Diabetes. Auffallend war außerdem, dass Tagatose als einziger getesteter Süßstoff keinen Zusammenhang mit kognitivem Abbau zeigte.
Was Forschende dazu sagen und was jetzt kommt
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass kalorienarme Süßstoffe zwar oft als gesunde Zuckerersatzstoffe gelten, die Ergebnisse aber nahelegen, dass manche Süßstoffe über die Zeit negative Folgen für die Gehirngesundheit haben könnten. Dr. Claudia Kimie Suemoto von der Universität São Paulo betont: „Kalorienarme und kalorienfreie Süßstoffe werden oft als gesunde Alternative zu Zucker angesehen; unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass bestimmte Süßstoffe im Laufe der Zeit negative Auswirkungen auf die Gehirngesundheit haben könnten.“
Finanziell und organisatorisch unterstützt wurde die Studie unter anderem vom Brasilianischen Gesundheitsministerium und dem Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation. Als Einschränkung nennen die Forschenden die Selbstberichterstattung der Teilnehmenden (was Erinnerungsfehler begünstigen kann).
Fazit und Ausblick
Die Untersuchung stellt wichtige Fragen zu den allgemeinen Annahmen über künstliche Süßstoffe. Eine kausale Beziehung ist nicht endgültig bewiesen, doch die Daten legen nahe, dass weitere Studien nötig sind — etwa Vergleichsstudien zu anderen Zuckerersatzstoffen wie Apfelmus, Honig und Ahornsirup, um die Unterschiede besser zu verstehen. Wie Dr. Suemoto anmerkt, könnte ein solcher Vergleich die Wahrnehmung und Nutzung künstlicher Süßstoffe in der Ernährung verändern. Die möglichen langfristigen Folgen für die kognitive Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern weltweit verdienen deutlich mehr Forschung und Aufmerksamkeit.