Existenzielle Isolation: ein unterschätztes Thema
Der Unterschied zwischen klassischer Isolation und existenzieller Isolation ist zentral. Elizabeth Pinel und ihr Team an der Brigham Young University fanden, dass letztere unabhängig davon wirkt, ob andere physisch anwesend sind oder nicht. Menschen (wie der Erzähler dieser Geschichte) können bei lebhaften Treffen, etwa einem Business-Dinner in Singapur, gesellig und beliebt wirken und trotzdem innerlich isoliert sein. Oft tritt dieses Gefühl besonders an ruhigen Momenten zutage, zum Beispiel sonntags zu Hause.
Dale Larson von der Santa Clara University prägte das Konzept der Selbst-Verheimlichung, das eng mit solchen Erfahrungen verwoben ist. Seine Forschung aus dem Jahr 1990 zeigte, dass das ständige Verbergen wichtiger persönlicher Informationen stark mit psychischen und physischen Beschwerden zusammenhängt.
Was die Forschung sagt
Studien zeigen, dass existenzielle Isolation und Selbst-Verheimlichung der Gesundheit schaden können. Julianne Holt-Lunstad von der Brigham Young University stellte in einer großen Meta-Analyse fest, dass wahrgenommene soziale Isolation gesundheitliche Risiken birgt, die denen des Rauchens von 15 Zigaretten pro Tag ähneln. Alex Wood von der University of Stirling belegte, dass ein authentisches Leben das Wohlbefinden stark beeinflusst. Den ganzen Tag eine öffentliche Fassade aufrechtzuerhalten, ohne das echte Selbst zu zeigen, kann die kognitive Belastung erheblich erhöhen.
Ein Kollege des Erzählers, der bei demselben Dinner dabei war, brachte es auf den Punkt: „Ich spiele diese Version von mir schon so lange, dass ich glaube, ich erinnere mich nicht mehr daran, wie die ursprüngliche klingt.“ Das unterscheidet das performte Selbst vom „Sonntags‑Ich“. Ein Jahr später, bei einem Treffen in einer anderen Stadt, berichtete derselbe Kollege, dass er sich in Therapie begeben habe, um sein echtes Selbst wiederzufinden.
Zwischen Anpassung und Echtheit
Für viele ist das performte Selbst eine seit der Kindheit erlernte Strategie, auch bei denen, die zu Business-Meetings gehen. Dieses Verhalten wird oft belohnt, sodass es zur Gewohnheit wird. Das Nervensystem passt sich an und entwickelt Strategien, die in emotional unvorhersehbaren Situationen Sicherheit geben. Auf Dauer kann das allerdings die psychische und körperliche Gesundheit still und schleichend schwächen.
Kleine, konkrete Schritte können helfen, wieder mehr Echtheit zuzulassen. Wer echte Bindungen will, fängt vielleicht damit an, einer Person das ungefilterte „Sonntags‑Ich“ zu zeigen, etwas verletzlich zu sein oder einfach zuzugeben, wenn man etwas nicht weiß. Solche Gesten schaffen oft tiefere und ehrlichere Verbindungen als bloße Bewunderung.
Die Frage, die man sich stellen sollte, lautet: „Würden die Menschen, die glauben, dich zu kennen, die Person erkennen, die du bist, wenn niemand da ist, für den du performen musst?“ Diese Frage macht deutlich, wie wichtig es ist, sich um das eigene authentische Selbst zu kümmern, damit man im Trubel nicht unsichtbar bleibt und in der Rolle des performten Selbst stecken bleibt.