Was vor Ort gerade gebaut wird
China konzentriert seine neuen Nuklearprojekte vor allem in der Provinz Sichuan. Die Orte Zitong, Pingtong und Mianyang stehen dabei im Mittelpunkt. In den Städten der Region sind umfangreiche Erweiterungen zu sehen: neue Bunker und Rampen wurden in Zitong identifiziert. Solche Anlagen könnten genutzt werden, um die Leistungsfähigkeit moderner Sprengköpfe durch Tests hochexplosiver Ladungen zu verbessern.
Der Komplex in Pingtong hat besonders auffällige Veränderungen erfahren. Dort ragt ein 110 Meter hoher Lüftungsschornstein über die Anlage. Neue Systeme zur thermischen Ableitung und zur Luftreinhaltung wurden eingeführt, was nahelegt, dass China eine Produktionsstätte aufbaut, die mit denen in Los Alamos, USA vergleichbar ist. Am Eingang des Geländes prangt außerdem ein riesiger Schriftzug von Xi Jinping, der aus dem Weltraum zu sehen ist: “Der Gründungsursache treu bleiben”.
In Mianyang sticht ein großes Laserzündlabor hervor. Solche Labore erlauben es, das Verhalten von Sprengköpfen zu analysieren, ohne echte Explosionen durchzuführen (was internationale Spannungen verringern kann).
Blick zurück: Geschichte und politischer Hintergrund
Die aktuelle Ausbauphase knüpft an die sogenannte “Dritte Linie” aus der Zeit von Mao Zedong an. Ursprünglich war das ein unterirdisches Netzwerk zum Schutz vor Angriffen aus der Sowjetunion oder den USA; in den 1990er Jahren galt es als veraltet. Jetzt erlebt diese Infrastruktur eine Wiederbelebung und dient als Basis für die neue nukleare Aufrüstung.
Der Ausbau des Arsenals steht offensichtlich im Zusammenhang mit Chinas Ziel, zur atomaren Supermacht zu werden. Laut Renny Babiarz (Experte für Georäumliche Aufklärung) betrachtet China Nuklearwaffen als festen Bestandteil seiner Ambitionen auf Weltmachtstatus. Hinzu kommt das Fehlen wirksamer Rüstungskontrollen und der konsequente Widerstand Pekings gegen Verhandlungsangebote, was die Unsicherheit und das Eskalationsrisiko auf der internationalen Bühne erhöht.
Warum das international relevant ist — und wie die Welt reagiert
Ein Faktor, der diese Entwicklung begünstigt, ist das New START-Abkommen zwischen Moskau und Washington, dessen Auslaufen Raum für Chinas Ausbau lässt. Das chinesische Arsenal wird aktuell auf etwa 600 Sprengköpfe geschätzt; bis 2030 soll diese Zahl auf 1000 einsatzfähige Sprengköpfe anwachsen. Wegen der undurchsichtigen Strategie Pekings müssen westliche Staaten oft auf Satellitenbilder zurückgreifen, um die tatsächlichen Schritte zu verstehen.
Diese Aufrüstung könnte Folgen für den internationalen Frieden und die Stabilität haben. China signalisiert, dass es Verhandlungen ablehnt, solange es sein Arsenal nicht für ausreichend abschreckend hält — das kann Spannungen ähnlich denen des Kalten Krieges befördern. Gleichzeitig könnte eine stärkere nukleare Abschreckung eine mögliche westliche Intervention in Taiwan als zu riskant erscheinen lassen.
Die wiederauflebenden nuklearen Ambitionen Chinas werfen daher wichtige Fragen zur globalen Sicherheit auf. Diese Entwicklungen erfordern Aufmerksamkeit und verstärkte internationale Zusammenarbeit, damit ein neues nukleares Wettrüsten vermieden wird. In den kommenden Jahren werden diese Dynamiken die internationalen Beziehungen weiter beeinflussen.