Vier-Tage-Woche überzeugt: 73 % deutscher Firmen wollen dauerhaft dabei bleiben

In einer überraschenden Wendung haben 73 % der deutschen Unternehmen, die an einem Testprojekt zur Vier-Tage-Woche teilgenommen haben, beschlossen, dieses Arbeitszeitmodell dauerhaft einzuführen. Das verändert die Arbeitskultur in Deutschland spürbar und könnte die Arbeitsweise in vielen Branchen nachhaltig umkrempeln.
Wie das Experiment ablief
Das Projekt lief über eine sechsmonatige Pilotphase, die im Februar 2024 startete, und wurde zusammen mit Four Day Week Global durchgeführt (eine Organisation, die solche Tests begleitet). Insgesamt waren 45 Unternehmen aus Bereichen wie Technologie, Finanzen und Fertigung beteiligt. Ziel war es, klassische Vorstellungen von Arbeitszeit zu hinterfragen und die Vorteile einer kürzeren Arbeitswoche auszutesten.
Die Firmen arbeiteten mit dem 100-80-100-Modell – also 100 % Bezahlung, 80 % Arbeitszeit, 100 % Produktivität. Trotz weniger Arbeitsstunden hielten viele Unternehmen gleiche oder sogar bessere Produktivität. Das brachte den eingängigen Slogan hervor: „Weniger Zeit, gleiches Gehalt — und gleiches oder besseres Output“.
Was herauskam und wie sich die Firmen angepasst haben
Auffällig ist, dass 60 % der teilnehmenden Unternehmen die Anzahl und Dauer von Meetings reduzierten und 25 % neue digitale Werkzeuge einführten, um die Abläufe zu straffen. Ein Fertigungsbetrieb zum Beispiel setzte stärker auf Automatisierung und Workflow‑Optimierung, um Engpässe zu beseitigen und die Leistung zu erhöhen.
Flexible Modelle wie rotierende freie Tage oder 4,5-Tage-Wochen sowie die teilweise Einführung in bestimmten Abteilungen halfen, Reibungsverluste zu verringern und das Modell in Branchen mit kontinuierlicher Produktion praktikabler zu machen.
Bei den Beschäftigten meldeten 90 % der Mitarbeiter ein besseres allgemeines Wohlbefinden — weniger Stress, mehr Schlaf und mehr Zeit für Familie oder Sport. 83 % wollten den neuen Zeitplan beibehalten. International sind ähnliche Ergebnisse zu sehen: weltweit haben über 210 Unternehmen vergleichbare Modelle getestet und ähnliche Rückmeldungen erhalten.
Kritik und Blick nach vorn
Trotz der positiven Bilanz mahnen manche Forscherinnen zur Vorsicht, darunter Julia Backmann von der Universität Münster. Sie sagt: „Ich glaube immer noch nicht, dass wir sagen sollten, Deutschland brauche eine Vier-Tage-Woche für alle Unternehmen.“ Ökonomischer Druck hat manche Firmen davon abgehalten, die Umstellung dauerhaft umzusetzen, und es wurde betont, dass das Modell nicht für jede Firma passt.
Gleichzeitig eröffnet die Entwicklung neue Möglichkeiten bei der Gewinnung von Talenten und für höhere Arbeitszufriedenheit — Erfahrungen, die man bereits aus Ländern wie Spanien, Portugal, Irland, Südafrika und Brasilien kennt.
Insgesamt könnte die Vier-Tage-Woche die Arbeitswelt verändern: Sie steigert nicht nur die Effizienz in vielen Fällen, sondern verbessert auch das Wohlbefinden der Beschäftigten. Vorausgesetzt, das Modell wird an die konkreten Bedürfnisse der Firmen angepasst, zeigen sich oft überraschende Vorteile durch die Stundenkürzung — eine Chance, die in Zeiten des Wandels immer wichtiger wird.